Mein Herz schlägt für Sievering und den Ferdinand

Wir düsen mit der S45 von Hietzing nach Döbling und steigen der bei der Station Oberdöbling aus. Max und ich wollen Ferdinand besuchen. Schon beim Ankommen in der von Architekt Otto Wagner konziperten und 1987 in postmoderner Anlehnung an den Stil Otto Wagners neu errichtet Station freuen wir uns auf mehr!

Sonnbergmarkt

Doch zuerst packt uns der Hunger. Gut, dass es gleich ums Eck den Sonnbergmarkt in der Obkirchergasse mit seiner täglich frischen Ware gibt.

Vollgepumpt mit Vitaminen spazieren wir die Obkirchergasse entlang bis zu der Kreuzung, wo sich die Billrothstraße in die Grinzinger Allee und die Sieveringer Straße teilt.

Hier fährt die Straßenbahnlinie 38 Richtung Grinzing entlang. 1902 ließ Bürgermeister Dr. Karl Lueger es sich nicht nehmen, die erste Straßenbahn zur Eröffnung der Strecke nach Sievering hinauszuführen. Die letzte Straßenbahnfahrt der Linie 39, die seit 1952 vom Schottentor aus nach Sievering führ, fand am 30. August 1970 statt. In diesem Jahr wurde sie durch eine Buslinie ersetzt. Ich habe ein Video gefunden, das uns zeigt wie die alte Bim durch Sievering kurvt. Video: Straßenbahnline 39

Die legendäre-Insel

Die unscheinbare Verkehrsinsel am Beginn der Sieveringer Straße ruft die Erinnerungen an meine Jugend im Bezirk wach. Von Ende der 1970er bis Mitte der 1980er hat die Döblinger Jugend mit ihren Mopeds und Motorrollern diese Insel in Beschlag genommen.

Mit, den magischen Worten “ wir treffen uns beim Eissalon“ gab es ein fixen Treffpunkt der Döblinger Jugend mit ihrern aufgeputzen Vespas, Fantics und Hondas. Diese sorgenlose Jugendkultur prägten so die Erinnerungen einer ganzen Generation an diesen Ort.

Meine Kindheit und Jugend in Sievering bleiben mir unvergesslich! Im Winter gingen wir Skifahren und Rodeln. Im Frühjahr ging es dann runter zum Eissalon – Aussgangspunkt für eine Menge Spass! Als Jugendlicher verbrachte ich viele heiße Sommertage im nahegelegenen „Krawa“, dem Krapfenwaldbad in Grinzing, ein Freibad mit herrlichem Ausblick über Wien.

Max will aber weiter. Wir kommen die Sieveringer Straße schnell voran. Vorbei geht’s am Restaurant Eckel, wo sich die Welt der Politk und der Finanz, der Kultur und all der Möchtegerns im Zeichen der österreichischen Kochtradtion trifft, die auf Hausnummer 47 seit dem Jahr 1901 gepflegt wird.

Gar nicht böse Erinnerungen

Auch die Blumenhandlung Böse ist ein Tradtitionsbetrieb mit mehr als 100 Jahre Geschichte. Hier gibt mehr als nur feine Schnittblumen, auch in Sachen Gartengestaltung und Gartenpflege ist man hier an der richtigen Adresse. Mich erwischt die Erinnerung an den Schwarm meiner Jugend, denn in die Stifttochter des Blumenhändlers Böse war ich schwer verliebt :-)

Bald sind wir in Obersievering bei den historischen Filmstudios angekommen. Begonnen hat alles mit einem Flugzeughangar aus Düsseldorf, den der österreichische Filmpionier Graf Alexander “Sascha” Kolowrat-Krakowsky (1886-1927) hier aufstellen ließ.

Hollywood in Sievering

Kolowrat hatte die Vision von einer Wiener Filmstadt, ganz nach dem Vorbild der großen Hollywoodstudios. Bekannte österreichische Filme wie Franz Anels „Der Bockerer“ (1981), „Hallo Dienstmann“ (1952) und natürlich „Sissi“ (1955) sind hier gedreht worden. Schauspiler wie Hans Moser, Paul Löwinger, Paula Wessely, Romy Schneider, Lili Palmer, Hilegard Knef, Peter Alexander, Gunter Philipp, Curd Jürgens, Anita Eckberg waren in den Studios wie zu Hause:-), (Seitenblick auf Hans Moser und Paul Hörbiger in „Hallo Dienstmann“)


Ein Stück weiter hinauf in der Bellevuestraße aus schenkt uns der wunderbare Frühlingstag einen Panoramblick in das Sieveringer Valley. Großartig! Auch meine ehemalige Volksschule in der Windhabergasse wiegt sich im neuen Glanz. 

Und so nehmen wir uns eine Auszeit bei freundlicher Bedienung und genießen Kaffee und Kuchen im Sieveringer Nest. Empfehlung!

Dort lese ich auch das Döblinger Extrablatt, das davon erzählt, dass im oberen Teil Sieverings die großen Guts- und Meierhöfe der Klöster und Adeligen lagen, im unteren Sievering hatten die Weinhauer und Weingartenarbeiter ihre Häuser. Ich habe selbst noch viele der Heurigen, wie die Elfi Köhler, Walter Braunsberger oder den Nirscher in Erinnerung – alle sind sie dem Wohnbau gewichen.


„Draußt in Sievering ...“ So beginnt ein altes Wienerlied, dessen Spuren uns in das alte Dorf Obersievering zum „Malerwinkel“ führen. So wird oft jene Stelle genannt, wo die Sieveringer Straße eng zu werden beginnt. 

Friedrich Dungl, der „Verkehrsregler“ hatte in einst ein sehr ungewöhnliches Hobby. Mit seinen weißen Handschuhen lotste er bei der Hausnummer 174 die Autos durch die unübersichtliche Straßenenge des Malerwinkels. Heute werden die Durchfahrenten Autos durch eine elektronische Hinweistafel geregelt.

Glücklich und voller schöner Erinnerungen sind wir angekommen beim Ferdinand, eine wundervolle 113 m² Wohnung mit Terrasse im ehemaligen Linienamt.

Sievering ist der am ruhigsten gelegene Teil von Döbling. Hier in Obersievering bestimmt eine ruhige und entspannte Energie den Alltag, schnell hat man das bunte Leben der unteren Sieveringer Straße hinter sich gelassen. Zum Glück ist mein treuer Freund Max immer in meiner Nähe geblieben. 

Dieser Spaziergang hinaus zum Ferndinand hat mich mit dem Frühlingserwachen der Natur in den Gärten und Weinbergen beglückt, in das sich meine Erinnerungen an eine Kindheit in Sievering sehr wohlig aufgehoben fühlten.


Restaurant Eckel
Cafe Nest
Ferdinand, die entspannte Dachgeschoss-Wohnung in Sievering

Christian Wilhelm